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Mieneke van der Velde mit Marin Marais

Marin Marais Images CDMarin Marais: Images
Mieneke van der Velde, Viola da Gamba; Fred Jacobs, French Theorbo
Werke von Marin Marais, Etienne Le Moine und Robert de Visée
Aufgenommen im Mai 2011, erschienen 2013
RAM 1205, im Vertrieb von Note-1
… so belgisch, belgischer geht‘s nicht …

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Marin Marais (1656–1728) war Gambist am Hof Ludwigs XIV. in Paris. Nein, mehr: Marais war die zentrale Figur des französischen Gambenspiels seiner Zeit. Was das Komponieren angeht, war er Schüler von Jean-Baptiste Lully und hat vier Opern geschrieben, ein Te Deum, Konzerte … in Erinnerung geblieben ist er aber wegen seiner Gambenmusik, die zwischen 1686 und 1725 in fünf Bänden erschienen ist: über 550 Kompositionen für jeweils eine oder mehrere Gamben mit basso continuo.

Es waren vornehmlich Suiten, die Marais veröffentlicht hat, Folgen von Tanzsätzen mit den herkömmlichen Einzelsätzen wie Courante, Sarabande und Gigue, aber auch Ergänzungen wie „Tombeaux“ und „pièces de charactère“, wie Marais Sätze wie „Le Troilleur“ oder „La simplicité paysane“ genannt hat. Diese Kompositionen, die formal frei angelegt sind, enthalten lautmalerische Elemente wie etwa die Nachahmung einer Musette, eines Duckelsacks, wenn es um bäuerliche Szenen geht, oder auch sehr gezierte wie in „La Fière“, die Stolze.
Diese Musik hat etwas durch und durch Elegantes und, wenn man sie in einer Interpretation wie der jetzt vorliegenden, hört, sehr Sinnliches. Alte Musik? Dass ich nicht lache! Dies ist vitale, lebendige, in allen Farben schillernde, Musik fürs Sentiment … und keineswegs nur für den Verstand! Das „Ballet en rondeau“ gleich in der ersten Suiten-Zusammenstellung, bei Marais schlicht als „Pièces en rè mineur“ bezeichnet, hat etwas sehr Kurzweiliges, Witziges und … na ja … Keckes. Das Ganze wird dann durchbrochen von Virtuosem, von spielerischen Elementen, die nie prahlerisch wirken sondern irgendwie beifällig zwischendurch extemporiert werden. Wie das Ausatmen oder wie ein „Voilà!“.
Es ist, zugegeben, überfordernd zu behaupten, eine moderne Interpretation eines Stücks der Alten Musik sei belgisch. Aber das, was Mieneke van der Velden hier spielt, ist so belgisch, belgischer geht‘s nicht.
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Portuguese Baroque Villancicos

Evora CDÉvora: Portuguese Baroque Villancicos
A Corte Musical, Rogério Gonçalves
Aufgenommen im März 2013, erschienen 2014
PAN Classics PC 10304, Im Vertrieb von Note-1
… Endlich, endlich können Musiker, wenn sie Alte Musik spielen, aus dem Bauch agieren …

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Der spanische Begriff „Villancico“ ist abgeleitet von „villano“ (= der Bauer). Was liegt näher, als hinter Kompositionen, die in Spanien als Villancicos bezeichnet worden sind, weltliche, vielleicht auch einfache wenn nicht bäuerliche Kompositionen zu erwarten? Die ursprünglichen Villancicos haben dieser Erwartung auch entsprochen – nicht aber die, die wir auf dieser CD von Corte Musical hören. Weltlich sind sie nicht durchgängig, auch nicht einfach strukturiert und schon gar nicht bäuerlich. Die (katholische) Kirche hat sich im 17. Jahrhundert die Volkstümlichkeit des Villancicos zunutze gemacht und immer mehr dieser Gesänge mit Texten, die zum Teil lokale Bezüge hatten oder sogar extemporiert wurden, in ihre Messen aufgenommen. Heute, wo die eigentliche Tradition des Villancico-Singens in Volk und Kirche nicht mehr gepflegt wird, steht der Terminus für Weihnachtslieder.

Es sind keine spanischen Kompositionen, die A Corte Musical vorführt … oder doch? Als die Tradition der Villancicos in Portugal entstand, bildeten Spanien und Portugal politisch eine Einheit, die unter der Herrschaft der Habsburger stand. Das war 1580 und wurde besiegelt durch die Schlacht von Alcântara, heute ein Stadtteil von Lissabon. König Felipe II. von Spanien, ältester Sohn des Habsburger Kaisers Karl V., wurde anschließend als Felipe I. auch König von Portugal.


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Saints and Sinners

IMG_0004Saints and Sinners: The Music of Medieval and Renaissance Europe
Aufgenommen zwischen 1992 und 2013, erschienen 2014
NAXOS, 10 CDs in Kassette, 8.501067
… mehr als eine Art klingender Musikgeschichte zu einem sensationellen Preis …

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Eine klingende Anthologie von mehr als zwölf Stunden Dauer zusammenzustellen, die nur aktuelle Aufnahmen aus eigener Produktion enthält und den Zuhörer Schritt für Schritt durch die Musikgeschichte vor 1600 führt, das kann nur NAXOS. Dieses 1987 gegründet Label darf sich heute mit über 2500 Titeln „The World’s Leading Classical Music Group“ nennen und das bei einem Bekenntnis zu „unduplicated repertoire“, das heißt zu dem Bemühen, nur Werke aufzunehmen, die (im eigenen Programm) noch nicht vorliegen. Das kann nicht hundertprozentig erfüllt werden und auch bei NAXOS gibt es mehrere Aufnahmen des „Concierto de Aranjuez“ oder der „Vier Jahreszeiten“ – um nur zwei Beispiele zu nennen. Aber das Label setzt insgesamt auf Repertoire-Vielfalt und auf verbraucherfreundliche Preise und weniger auf Personenkult, was Interpreten angeht. So ist in kurzer Zeit ein Unternehmen herangewachsen, das Projekte wie die vorliegende Sammlung problemlos mit eigenem Material ausstatten kann.

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Christina Pluhars »seconda pratica«

Music fo a whileMusic for A While: Improvisations on Henry Purcell
Philippe Jaroussky, Countertenor; Raquel Andueza, Sopran; Vincenzo Capezzuto, Alto; Dominique Visse, Countertenor
L’Arpeggiata unter der Leitung von  Christina Pluhar
Aufgenommen im Juni 2013, VÖ: 28.02.2014
ERATO/WARNER MUSIC 08256 463375 0 7
… ein köstliches Wechselspiel …

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L’Arpeggiata: Christina Pluhar
The Complete Alpha-Recordings (6 CDs)
Featuring Marco Beasly, Lucilla Galeazzi, Johannette Zomer, Gianluigi Trovesi …

  • CD1 Giovanni Girolamo Kapsberger: La Vilanella
  • CD2 Stefano Landi: Homo fugit venut umbra
  • CD 3-1 Emilio de’ Cavalieri: Rappresentatione di Anima e di Corpo 1
  • CD 3-2 Emilio de’ Cavalieri: Rappresentatione di Anima e di Corpo 2
  • CD 4 La Tarantella Antidotum Tarantulae
  • CD 5 All’Improvviso: Ciaccone, Bergamassche & un po’ di Follie …

Arpeggiata_KassAufgenommen zwischen Juni 2000 und August 2004, Zusammenstellung erschienen 2014
ALPHA 828 (outhere music, im Vertrieb von Note 1
… Alles in mediterranen Farben strahlend … zwischen Flamenco und Oratorium, Tarantella und Españoletas …

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Der neue Stil, „stile nuevo“ oder „stile moderno“ – Komponisten des frühen 17. Jahrhunderts initiierten eine bewusste künstlerische Wende, die sie auch als „seconda pratica“ gegen Unverständnis und Angriffe verteidigten. Während die „prima pratica“ polyphone Satzweisen bevorzugt hatte, wurde jetzt die Melodie in den Vordergrund gestellt und damit das Wort. Im Anhang an diese Wandlung wurde der Einzelgesang mit Generalbassbegleitung, Monodie genannt, stilistisch vorherrschend – mit ihm die Oper, die sich seit Anfang des 17. Jahrhunderts als neue musikalische Großform etablierte.

Henry_Purcell_by_John_Closterman_2

Henry Purcell: Portraitgemälde von John Closterman (1660—1711)

Giovanni Girolamo Kapsberger (1580—1651) ist Lautenisten bekannt und zwar hauptsächlich wegen seines „Libro primo d’intavolatura di lauto“ von 1611 und seiner Tabulaturbücher für Chitarrone. Davon, dass von dem „Nobile Alemano“ – so wurde er genannt, weil er als Sohn eines deutschen Offiziers in Habsburgischen Diensten geboren wurde – auch zahlreiche Vokalkompositionen überliefert sind, davon profitiert das Publikum rund 350 Jahre nach seinem Tod eher selten. Dabei sind Madrigale, Motetten und mehrere Bücher mit Villanellen gedruckt überliefert, dazu Einiges an instrumentaler Ensemblemusik … die „Sinfonie a quattro con il Basso continuo“ von 1615 zum Beispiel.

Mit Villanellen von Kapsberger haben Christina Pluhar und ihr Ensemble L’Arpeggiata im Jahr 2000 die Zusammenarbeit mit dem Label Alpha begonnen. Die dabei entstandene CD ist die Nº 1 der vorliegenden Zusammenstellung.

Villanellen waren lebendiger Ausdruck des „stile nuovo“, in dessen Rahmen ja Textverständlichkeit postuliert worden ist. Sie sollte erreicht werden durch Festhalten an syllabischer Textverteilung und durch schlichte instrumentale Begleitungen, für die der Chitarrone in Mode kam aber auch die fünfchörige Barockgitarre. Im Titel seines ersten Buchs mit Villanellen (1610) hat Kapsberger allerdings freigestellt, wie sie instrumental begleitet werden sollten: „Libro primo di villanelle a I. 2 et 3 voci accommodate per qualsivoglia strumento con l’intavolatura del chitarrone et alfabeto per la chitarra spagnola“. Chitarrone und Gitarre waren scheinbar als Continuo-Instrumente favorisiert, ansonsten stand es Musikern aber frei, die Instrumente zu besetzen, die sie zur Verfügung hatten oder bevorzugten. Und genauso – „accommodate per qualsivoglia strumento“ – ist Christina Pluhar verfahren: sie selbst, Eero Palviainen, Edin Karamazow und Giovanna Pessi (alle Lauteninstrumente, Gitarre oder Barockharfe) im basso continuo, dazu Violen, Lirone, Geige, Zink, Orgelpositiv und Schlagwerk … nicht zu vergessen natürlich die exzellenten Sänger Johanette Zomer (Sopran) sowie Pino de Vittorio und Hans-Jörg Hammel (Tenor).


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Il Spiritillo Brando

Falconieri_CDAndrea Falconieri: Il Spiritillo Brando
La Ritirata – Josetxu Orbegón
Stücke von Diego Ortiz (ca. 1510—ca. 1570), Giovanni Battista Vitali (1632—1692), Dario Castello (ca. 1590—ca. 1630), Giuseppe Maria Jacchini (1667—1727), Juan Cabanilles (1644—1712), Bartolomé de Selma y Salaverde (ca. 1580—ca. 1640), Giovanni Gabrieli (1462—1612) … und Andrea Falconieri (1585—1656)
GLOSSA GCD 923101, im Vertrieb von Note 1
… eine bunte Auswahl …

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Andrea Falconieri bezeichnete sich selbst als „Napolitano“, seine Jugend- und Lehrjahre verbrachte er allerdings nicht in Neapel. Als im Januar 1604 der berühmte Santino Garsi starb, wurde Falconieri sein Nachfolger als Virtuose auf Laute, Theorbe und Harfe am herzoglichen Hof in Parma – jedenfalls erwähnt der Herzog höchstselbst in einem Brief einen „Andrea sonatore“. In seinem Buch „Appendice di varii soggetti parmigini“ von 1642 berichtete dann Ranuccio Pico (1568—1644) über den Lebensweg des Komponisten. Aus dessen Notenveröffentlichung:

  • Il primo libro di canzone, sinfonie, fantasie, capricci, brandi, correnti, gagliarde, alemane, volte per violini e viole, overo altro stromento a uno, due, e tre con il basso continuo,

erschienen 1650 in Neapel, stammen Falconieris Kompositionen auf vorliegender CD.
Der Originaldruck des „libro primo“ besteht aus vier Stimmbüchern mit den Bezeichnungen „Canto, Altro Canto, Basso und Basso Continuo“. Keine verbindlichen Angaben, was die Besetzung angeht, keine Aufführungsanweisungen! Die Stücke sind zwar „per violini e viole“ herausgegeben, gleichzeitig heißt es aber, man könne sie auch auf anderen Instrumenten spielen. Der Basso Continuo wird als Basslinie mit gelegentlicher Bezifferung mitgeliefert.


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Gunar Letzbor mit Graupner

Graupner_signet_neuChristoph Graupner
Chalumeaux
Concertos, Ouvertures & Sonatas
Ars Antiqua Austria, Gunar Letzbor
Aufgenommen im November 2011
Challenge Records CC72539, im Vertrieb von New Arts International
… aufregendes, fast explosives Spiel …

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Graupner CD TitelDer Chalumeau, der auf vorliegender CD mit Werken von Christoph Graupner 1683—1760) gespielt wird, sieht einer Blockflöte ähnlich. Oder einem chanter, dem Instrument, das meist beim Erlernen der schottischen bagpipe, verwendet wird. Ein chanter ist eine Pfeife, wie sie als Melodiepfeife an Dudelsäcken verwendet wird, nur wird er als Separatinstrument nicht über den Luftsack, sondern durch direktes Einblasen mit Luft versorgt.
Der Chalumeau hat ein Mundstück mit einem einfachen, „aufschlagenden“ Rohrblatt … wie wir es schließlich von der Klarinette kennen. Telemann (1681—1767) hat das Instrument geschätzt, auch Hasse (1699—1783), Reinhard Keiser (1674—1739), Jan Dismas Zelenka (1679—1745) … und Christoph Graupner, der Darmstädter Kapellmeister.
Darmstadt, das ist die Stadt, die man mit dem Chalumeau in Verbindung bringen muss. Und mit Graupner. 1709 hat Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt (1667/1687—1739) ihn – auf Vermittlung durch Johann Mattheson übrigens – als „Vice-Capellmeister“ verpflichtet und zusammen mit ihm weitere talentierte junge Musiker. Zwei Jahre später übernahm Graupner das Amt des Kapellmeisters … Hof- und Kirchenmusik in Darmstadt blühten zu ungeahntem Glanz auf. Ein neues Opernhaus wurde gebaut und 1711 mit Graupners Oper „Telemach oder die durch Weißheit im Unglück triumphierende Tugend“ eingeweiht … bald aber aus finanziellen Gründen wieder geschlossen.



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Du bes Kölle, Tommy!

Tommy Engel und Bernd Imgrund: Tommy Engel, Du bes Kölle. Autobiographie. Köln 2012, Kiepenheuer & Witsch, ISBN 978-3-462-03827-9, € 18,99

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BuchtitelEs war einmal eine Kölner Rock-Band, die sattelte um auf Karneval und hatte ab sofort en „superjeile Zick“. Ihr Frontmann meint heute: „Jeder direkte Bezug zu Köln wäre [zur Gründungszeit der Band] tödlich gewesen. Da hätten wir uns gleich zur Prunksitzung mit Prinz Karneval anmelden können.“ Heute schreibt Wikipedia über die ehemalige Rock-Band, sie sei eine „Kölner Mundart-Band“ und singe „kölsche Schlager und Stimmungshits“.

Bei Tommy Engel, um dessen Autobiografie geht es hier, lief alles anders. Sein Vater war Musiker und gehörte einer Gruppe an, die bis in die 1960er Jahre auftrat und heute noch legendär ist. Name: „De Vier Botze“. Die waren sehr erfolgreich im Kölner Karneval tätig. Was also musste aus Klein-Thomas, dem jüngsten von zehn Kindern von Richard Engel, genannt „Rickes“, werden? Richtig, Schornsteinfeger!

Anderthalb Jahre blieb er in der Lehre … und warf das Handtuch. Aus gesundheitlichen Gründen. „Dass ich immerhin anderthalb Jahre ausgehalten habe, hat sicherlich mit meinem Vater zu tun. »Du musst was Anständiges lernen« — das war seine Einstellung“ [S. 46]. Heute weiß Tommy Engel: „Eigentlich hatte ich von der ersten Sekunde an gewusst, dass die Schornsteinfegerei nichts für mich war. Ich wollte Musiker werden.“ [S. 45]

Wieder steuerte Richard Engel die Geschicke und meldete seinen Sohn bei der Rheinischen Musikschule an. Fach: Schlagzeug. In der Aufnahmeprüfung spielte Tommy „Take Five“ von Dave Brubeck! 5/4-Takt! Er wurde genommen … aber nicht glücklich: „Mir war das alles ein bisschen zu steif und akademisch“. [S. 48]

1959 hatte der kleine Tommy, er war gerade mal zehn Jahre alt, mit Lotti Krekel auf der Bühne gestanden. Als „Doof und Dooflinchen“ beim WDR. Drei Jahre später, 1962 gab es die „Luckies“, Tommys erste Band. Ein richtiges Schlagzeug hatte er noch nicht und spielte auf Holz-Instrumenten aus dem Orffschen Schulwerk. Angesagt waren Songs von den Shadows, den Beatles und sogar von Cliff Richard.


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Erinnerungen an Grete Sultan

Buchtitel

Moritz von Bredow, Rebellische Pianistin: Das Leben der Grete Sultan zwischen Berlin und New York
Mainz 2013, Schott Music BSS 54831, ISBN 978-3-7957-0800-9, € 29,99

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Grete Sultan: piano seasons
Werke von Bach, Beethoven, Schubert, Schumann, Schönberg, Copland, Ben Weber, Wolpe, Hovhaness, Cage, Toshi Ichiyanagi
Aufgenommen 1959—2000, erschienen 2013
4 CDs, WERGO 4043 und 4045.2

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Das Wort von der „rebellischen Pianistin“ ist von Theodor W. Adorno, der 1930 über die Musikerin Grete Sultan gesagt hat, sie sei hochbegabt, merkwürdig expressiv und rebellisch. Dass ausgerechnet sie als rebellisch eingeschätzt wurde, wundert dabei aus mehreren Gründen. Erstens stand sie, 1930 gerade einmal 24 Jahre alt, erst am Anfang ihrer Karriere, da also, wo junge Musiker sonst noch auf der Suche nach ihren künstlerischen Zielen sind. Zweitens war sie Jüdin und der Antisemitismus in Deutschland manifestierte sich immer deutlicher. Zeit für rebellische Geister?

Als Pianistin war Grete Sultan mutig und konsequent … allerdings waren ihre Kindheit und die Jahre ihrer musikalischen Ausbildung in so völliger Harmonie und Ordnung verlaufen, dass man sich ein rebellisches Aufbäumen ihrerseits kaum vorstellen kann. Die Ehe ihrer Eltern, Adolf und Ida Rosa (genannt Coba) Sultan, war „vor allem auf Liebe gegründet, und die kinderreiche Familie erlebt eine überaus glückliche Zeit – so [blieb] es Grete Sultan stets in lebendiger Erinnerung“ [S. 35]; materielle Sorgen hat es in der Familie nicht gegeben und: „Alle sieben Kinder im Hause Sultan [wurden] von Anfang an mit Musik vertraut gemacht, ohne die das Familienleben kaum denkbar schien. [S. 43] „Als jüngstes der Sultan-Kinder [wurde Grete] von allen besonders geliebt und verwöhnt, behütet [wuchs] sie in einer Welt voller Musik heran.“ [S. 45]

Berlin war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine „»Musikstadt par excellence«“, in der „»wie in keiner anderen Stadt der Welt […] hervorragende Pianisten und Pädagogen aller großen und kleinen europäischen und überseeischen Nationen friedlich nebeneinander«“ lebten und wirkten [S. 52]. Trotzdem war das Kulturleben bestimmt von „spießigem Geschmack und konservativen Kunstauffassungen, die im deutschen Kaiserreich so fest verankert“ waren [S. 54]. Moderne Musik erhielt nur wenig Zuspruch „seitens des mehrheitlich konservativen Publikums“ [S. 52]. Umso fortschrittlicher war, dass sich Grete Sultan bereits 1916, sie war nicht einmal zehn Jahre alt, mit Musik von Arnold Schönberg befasst hat. „Dessen Klavierstücke op. 11 [erschlossen] dem […] Mädchen eine neue Welt: Zeitgenössische Musik [wurde] in Deutschland skeptisch betrachtet, und schon gar nicht [wurde] ein Kind darin unterrichtet.“ [S. 65] Durch ihren Lehrer Richard Buhlig lernte Grete weitere zeitgenössische Klavierwerke kennen: „Grete [konnte] nie genug bekommen vom Klavierspiel, von der Herausforderung durch zunehmende technische und musikalische Schwierigkeiten. [S. 63—64]


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Zum Tod von Gustav Leonhardt
(30.5.1928—16.1.2012)

Der Cembalist, Organist, Dirigent, Musikologe, Lehrer und Herausgeber Gustav Leonhardt (30. 5. 1928—16.1.2912) war einer der bedeutendsten Exponenten der „Alte Musik-Bewegung“. Zwischen 1947 und 1950 hat er Cembalo an der Schola Cantorum Basiliensis studiert, danach Musikwissenschaft in Wien. Dort wirkte er später auch als Professor bis er 1954 wieder in sein Heimatland, die Niederlande, zog. Dort lehrte er fortan am Amsterdamer Konservatorium.

Gustav Leonhardt hat die Szene der „Alten Musik“ entscheidend mitgeprägt. Mit seinem „Leonhardt Consort“ und in Zusammenarbeit mit Nikolaus Harnoncourt, den er in Basel kennengelernt hatte, spielte er zwischen 1971 und 1990 erstmalig sämtlich Bach-Kantaten auf LP bzw. CD ein, daneben entstanden andere epochale Aufnahmen von Cembalo- und barocker Ensemblemusik.

Das folgende Interview erschien 1984 in Heft 2 meiner Zeitschrift „CONCERTO—Das Magazin für Alte Musik“. Gerd Berg, damals Plattenproduzent bei der Kölner EMI und Initiator der legendären Plattenreihe „Reflexe“, stellte die Fragen. Das Interview entstand im „Bürgerhaus Bergischer Löwe“ in Bergisch Gladbach, wo noch am gleichen Abend ein Konzert von Gustav Leonhardt mit dem Cellisten Anner Bylsma stattfinden sollte. Anner Bylsma stieß später zu den Gesprächspartnern und wurde in das Interview einbezogen.

GustavLeonhardt1Dirigieren ist der einfachste Beruf
Gerd Berg im Gespräch mit Gustav Leonhardt

CONCERTO: Wenn man Sie im Konzert mit Ihren alten Weggefährten hört, wenn man Sie an Cembaloabenden Ihren so ganz schnörkellosen Bach spielen hört, dann kann man sich kaum noch vorstellen, welche Aufregung das damals verursacht hat, als Sie zum ersten mal aufgetreten sind. Ich weiß noch aus eigener Erfahrung, wie eigenartig diese Mischung von Leuten war: die einen, die sofort überzeugt waren und die anderen, die das ungeheuer befremdet hat.

LEONHARDT: Die gibt es noch heute, aber die kommen nicht mehr, das hat sich getrennt.

CONCERTO: Sie sind eine der Gestalten, die am konsequentesten und unberührtesten ihren Weg gegangen sind, ohne ganz spektakuläre Wege gegangen zu sein, um die große Masse des Publikums auf einen Schlag gewinnen zu wollen. Wie hat sich das entwickelt? Welcher Gedanke hat Sie bestimmt, als Sie anfingen?


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(30.5.1928—16.1.2012)” weiterlesen?/
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(30.5.1928—16.1.2012)”?

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Väterchen Franz ist tot!

Franz Josef Degenhardt, geboren am 3. Dezember 1931 in Schwelm, lebt nicht mehr. Am 14. November 2011 starb er in Quickborn.

Franz Josef Degenhardt war als Rechtsanwalt Partner in einer Hamburger Sozietät, als Dichter und Schriftsteller bleibt er mit vierzehn Romanen und anderen Büchern in Erinnerung …

Franz Josef Degenhardt war eine Stimme der 68er-Bewegung … so steht’s in Wikipedia. Für mich war er nicht eine, sondern die Stimme der 68er-Bewegung. Und er war der Poet der 68er-Bewegung. Einer, der keine Parolen krakeelt hat, sondern seine Hörer in sein Denken einbezog und ihnen etwas abforderte. Wenn ich heute die Geschichte von Horsti Schmandhoff höre oder Degenhardts Schilderung des deutschen Sonntags. Oder „Vatis Argumente“ und die vom „Notar Bolamus“, dann bin ich konfrontiert mit scharfer Kritik, verhöhnender Ironie und sogar bitterer Häme … aber ich höre etwas anderes. Ich höre, zum Beispiel, in grazilen Trippelschritten vorgetragen:

Hütchen, Schühchen, Täschchen passend,
ihre Männer unterfassend,
die sie heimlich vorwärts schieben,
weil die gern zu Hause blieben

und habe die Szene vor mir. Die Bilder liefert das Lied … diskret aber in Farbe! Und auf eines können wir uns verlassen:

hier darf jeder machen was er will
Im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung
versteht sich.”


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