
Am 29. Oktober ist sie hier eingetroffen, die Ausgabe 4 des Jahrgangs 2009 von Soundboard. Das Hauptthema des Heftes ist Heitor Villa-Lobos (1887—1959), dessen Todestag sich am 17. November sich zum fünfzigsten Mal jährt. Charles Postlewate schreibt zunächst über “Life and Legacy of Villa-Lobos” und dann “Villa-Lobos and his Work with three Guitar Icons”.
Im ersten Artikel geht es um das Vermächtnis des Komponisten, und zwar auch die künstlerischen Hinterlassenschaften, die nichts oder wenig mit der Gitarre zu tun haben. Postlewate schreibt ganz richtig, dass die meisten Gitarristen nur mit einem kleinen Teil des Œuvre von Villa-Lobos bekannt sind, dem nämlich, das für ihr Instrument konzipiert ist. Der Autor scheint das Buch von Manuel Negwer (“Villa-Lobos: Der Aufbruch der brasilianischen Musik”, Mainz u.a. 2008) nicht zu kennen, mindestens wird es weder erwähnt noch zitiert. Das heißt, an dieser neuesten Veröffentlichung werden sich die beiden Soundboard-Artikel messen lassen müssen — mindestens der erste, in dem es um eine kurze Darstellung seiner Biographie geht und ein eine Würdigung seiner Werke.
Der zweite Artikel von Postlewate dreht sich um einen speziellen Aspekt des Schaffens von Villa-Lobos, seine persönliche und künstlerische Beziehung zu drei Gitarristen nämlich, zu Andrés Segovia, Abel Carlevaro und Julian Bream. Etliche Fragen drängen sich in diesem Zusammenhang auf, Fragen, die immer wieder in der internationalen Fachpresse gestellt worden sind und um deren Antworten man ringt. Wie war Segovias Beziehung zu Segovia und wie weit hat er seine Werke für Gitarre eigenmächtig “bearbeitet”? Kannte Abel Carlevaro Villa-Lobos und seine Werke wirklich so gut, dass man seine Versionen von Werken als authentisch akzeptieren kann? Ein wirklich interessanter Artikel … der aber wenige konkrete Antworten bereithält.
Jan de Kloe schreibt über “Oscar Esplá und die Gitarre”. Esplá (1886—1976) hat vor 1934 eine Sonate für Andrés Segovia geschrieben, die dieser nicht gespielt hat. Für den Maestro galt sie als unspielbar. Statt der Sonate spielte Segovia Transkriptionen von Klavierstücken Esplás.
Die “unspielbare Sonate”, die Esplá für Segovia geschrieben hatte, tauchte nach dem Tod des Komponisten wieder auf, und zwar war Antonio Iglesias, ein Biograf des Komponisten, der Meinung, es handle sich um ein Stück für Harfe. Es stellte sich aber bald heraus, dass es eindeutig für Gitarre komponiert war und dass es sich um das ominöse Stück für Segovia handelte. José Tomás, ein Schüler von Esplá, spielte schließlich die Uraufführung der unspielbaren Sonate, dessen Schüler Ignacio Rodes nahm sie auf und gab sie bei opera tres in Madrid heraus.
Der Artikel über Esplá seine Beziehung zur Gitarre ist außerordentlich lesenswert! Viele Dokumente werden mitgeliefert, viele Einsichten gewährt.
In Soundboard geht es weiter mit Nachrufen und Würdigungen zu Aaron Shearer und schließlich den” Notenbeilagen”. “Two Short Progressive Pieces” von Richard Christie für Gitarre solo, eine “Allemande” von Adrian Denss aus seinem Florilegium, zwei Stücke von Villa-Lobos, transkribiert für Gitarre von Richard Yates und einige andere. Es folgen Rubriken und Festivalberichte etc.
