Grete Wehmeyer (5.X.1924—18.X.2011)

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Heute haben wir sie zu Grabe getragen, die Pianistin und Musikologin, die Querdenkerin, Kölnerin und Weltenbürgerin Grete Wehmeyer. Mit Büchern über Eric Satie und Edgar Varèse hat sie sich in den siebziger Jahren einen Namen gemacht, danach hat sie die „Entschleunigung von klassischer Musik“ betrieben bzw., um genau zu sein, hat sie sich zunehmend mit der wissenschaftlichen Erforschung von Tempo und Geschwindigkeit in der Aufführung klassischer Musik befasst. „Bach zügig, Mozart äußerst frisch, Beethoven geduckt dahinsausend, Chopin und Liszt rasant – so muss klassische Musik sein, so entspricht sie unserem Lebensgefühl, so klingt sie von Schallplatten, aus dem Radio, im Konzertsaal und im Opernhaus. Schnell muss Musik gespielt werden, wie Autos und Züge schnell fahren müssen, damit wir nicht nervös werden.“ [Grete Wehmeyer, prestißißimo: Die Wiederentdeckung der Langsamkeit in der Musik, Hamburg 1989 und Reinbek 1993]

Das Thema „Tempo und Geschwindigkeit“ hatte sie aus Japan mitgebracht, wo sie zwischen 1982 und 1984 eine Gastprofessur für Klavier an der Musashino-Akademie ausgefüllt hatte. Aber auch vorher waren ihr Themen aus diesem Bereich nicht fremd. In „ARS MUSICA—MUSICA SCIENTIA“ [Festschrift Heinrich Hüschen zum fünfundsechzigsten Geburtstag, Köln 1980], schrieb sie zum Thema: „Die Kunst der Fingerfertigkeit und die kapitalistische Arbeitsideologie“: „Die heutigen Höchstleistungen auf allen Musikinstrumenten und im Gesang sind ebenso das Produkt kapitalistischen Geistes wie der gegenwärtige Höchststand von Industrialisierung und Technisierung. Die Basis ist hier wie dort die Ideologie der Arbeit, die als Preis Askese fordert. Der »Prozess der Zivilisation« hat hier wie dort zu erheblichen Restriktionen der ungezwungenen menschlichen Äußerungen im Täglichen wie auch in der Kunst geführt.


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Fundsachen zum Thema Georges Bizet

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[CD] Georges Bizet, Le Docteur Miracle, Opera in one Act, Libretto: Léon Battu and Ludovic Halévy, Christiane Eda-Pierre, Robert Massard, Rémy Corazza; Orchestra of Radio France, Ltg. Bruno Amaducci Aufgenommen als Rundfunk-Aufführung am 1. März 1976; Neuausgabe Allegro Corporation [Allegro Corporation] 2010, OPD 7077 in der Reihe Gran Tier; Vertrieb bei Sunny Moon, Köln [Sunny Moon]

[Buch] Christoph Schwandt, Georges Bizet: Eine Biografie, Mainz u.a. 2011, SCHOTT MUSIC, ISBN 978-3-254-08418-7, € 12,99

[DVD] Johannes Brahms, Symphonie Nº 2, Georges Bizet, Symphonie Nº 1, The State Radio and Television Symphony Orchestra, Moscow, Pavel Sorokin und Amar Lapinsch. Aufgenommen im Juni 2001 im großen Saal des Moskauer Konservatoriums, 5-Tone Platinum Edition 97002, im Vertrieb von Cascade [Cascade]

[CD] Fast immer, wenn man den Namen Georges Bizet (1838—1875) hört, geschieht das im Zusammenhang mit seiner Oper „Carmen“. Sie war sein großer Erfolg und ist heute noch eine der am häufigsten aufgeführten Opern überhaupt, zusammen mit Werken von Mozart und Verdi … aber leider ist Bizet nie in den Genuss seines Welterfolgs gekommen. „Carmen“ ist am 3. März 1875, gerade einmal drei Monate vor seinem Tod, in Paris uraufgeführt worden. Georges Bizet war nicht einmal 37 Jahre alt.

Noch im gleichen Jahr, genau am 2. Oktober 1875, wurde „Carmen“ auch an der Wiener Hofoper gegeben, 1876 in Brüssel und Budapest und 1878 in St. Petersburg, Stockholm, London, New York und Philadelphia. Ähnlich turbulent sollte es mit der Karriere der Oper weitergehen. Georges Bizet konnte nicht einmal mehr die notwendigen Änderungen an seiner Oper vornehmen oder  überwachen. Schon für die erste Wiener Aufführung mussten die in Paris noch gesprochenen Dialoge durch Rezitative ersetzt werden, die schließlich Bizets Studienkollege und Freund Ernest Guiraud (1837—1892) komponierte.

Aber Bizet war kein „one-piece-composer“ – das verrät kurz und knapp das Werkregister in Christoph Schwandts Biografie, der aber auch auf das „derzeit verlässlichste Verzeichnis sämtlicher Werke Bizets“ hinweist. Es steht im Artikel „Bizet“ der zweiten Auflage der MGG, Bd. 2, Sp. 1712—1717 (Kassel 1999). Warum außer „Carmen“ kein Werk von Georges Bizet erwähnenswerte Aufführungszahlen vorweisen kann, diese Frage ist bisher nicht plausibel beantwortet worden.

Im Gegensatz zu „Carmen“ sind nämlich die anderen Bühnenwerke Bizets weitgehend vergessen. Nur „Les Pêcheurs de perles“ wird gelegentlich gegeben und schaut man in den „Gramophone Classical Music Guide 2011“ findet man acht CD-Produktionen von „Carmen“ und eine einzige der erwähnten „Perlenfischer“. Ansonsten ist eine Aufnahme der Symphonie C-Dur von Bizet verzeichnet und zwei Aufnahmen der beiden „l’Arlésienne“- Suiten.


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